Der Brauch der Fetten Henne

23. Januar 2017 - Tradition 2.0.

Jetzt mal ehrlich: Früher war mehr Lametta, oder? Da waren die Sommer irgendwie heißer, Sonne von April bis Oktober, Schnee den ganzen Winter. Und frisch gekochtes Essen im Wochenbett soweit das Auge reicht ohne einen Finger zu krümmen.
Und jetzt mal ganz ehrlich: So ein Quatsch. Die Sommer und Winter waren ähnlich wie heute, nur, dass wir uns ausschließlich an die besonders schönen Momente erinnern. Aber das mit dem frisch gekochten Essen im Wochenbett – das gab es wirklich. Kaum vorstellbar? War aber tatsächlich so. Und teilweise gibt es diese Tradition der „Fetten Henne“ auch heute noch. Da wird einfach ungefragt frisch gekochtes Essen vor die Tür gestellt bzw. abgegeben. Ohne das Baby bzw. den Rest der jungen Familie sehen zu wollen, ohne zu stören in der rosaroten Blase des Ankommens. Bei der „Fetten Henne“ geht es rein um die Essensversorgung. Und jetzt mal Hand auf’s Herz: wollt ihr lieber am Herd stehen anstatt euer Baby anzustarren, das so herrlich duftet und so süß aussieht wenn es schläft? Eben. Deswegen, und weil in der ersten Zeit der Neu-Familien-Findung meistens das Essen zu kurz kommt, weil ja immer irgendetwas ist (im Zweifel ein großes Kind, das auch noch versorgt werden will), haben früher die weiblichen Familienmitglieder für die Essensversorgung während der ersten 4 Wochen gesorgt. 

Heute ist das schwieriger. Heute wohnen die Familien viele Kilometer auseinander oder alle sind so eingespannt in den hektischen Alltag, dass meistens keine Zeit zum Kochen bleibt . Schon gar nicht für Andere.
Wer das aber doch tut, der nimmt den frisch gebackenen Eltern eine sehr große Last von den Schultern und verschafft ihnen Atempausen. Weil man in der ersten Zeit nämlich nie weiß wann Zeit zum Essen (für sich selbst) ist. Und wenn die Zeit gekommen ist, muss das ganz schnell gehen. Zeit, um auf den Pizza-Lieferdienst zu warten, ist da nicht.

Während meines Wochenbetts hatte ich das Glück, dass meine Eltern in der Nähe wohnen und meine Mama mich reichlich mit frisch gekochtem Essen versorgt hat (der Renner war Geschnetzeltes mit Spätzle trotz 32 Grad Außentemperatur). Das war ein Segen. Hätte ich sie nicht gehabt, hätte ich mir wahrscheinlich von meinen Freundinnen statt der vielen schönen Geschenke einfach Essen gewünscht, denn zum Kochen kam ich in den ersten vier Wochen nicht.

 

Apropos: eure Freundin ist Mama geworden oder wird es bald? Dann verzichtet auf die Windeltorte, das hübsche Spucktuch oder die 30. Rassel und bestellt für sie Essen von Gesund & Mutter. Wetten, dass sie euch dafür lieben wird?

Herzlichst,

Christin