Der raffinierte Zucker

14. September 2016 - Isolierter, raffinierter Zucker ist immer wieder in der Kritik. In diesem Artikel wird erklärt, warum es sinnvoll sein kann, sich auf Alternativen zu besinnen und welche alternativen Süssungsmittel zur Verfügung stehen.

Ist Zucker schädlich?

Zu Beginn meiner Recherche darüber, warum isolierter, raffinierter Zucker schädlich sein soll und welche Süßungsmittel ich alternative verwenden könnte, wurde ich immer wieder sehr verunsichert. Mein Glaube, dass Bio-Produkte stets gesund sind da sie keinen raffinierten Zucker enthalten, wurde erschüttert. Warum, fragte ich mich, muss ein Fruchtriegel mit Bananen und Äpfeln noch zusätzlich mit Reissirup oder Rohrohrzucker gesüßt werden, wo doch diese Früchte im getrockneten Zustand schon selbst süß sind. Wahrscheinlich ist es günstiger, mit konzentrierten Süßstoffen zu süßen als nur mit der kostbaren Frucht? Oder haben wir bereits einen veränderten Geschmackssinn, weil wir an die übermäßige Süße von industriell verarbeiteten Produkten gewöhnt wurden? Immerhin verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich 17 Teelöffel Zucker am Tag.

Zucker - eine Sucht!

Spätesten nachdem mein Sohn nach einem Kindergeburtstag vor mir stand und mich wie ein Junkie anbettelte „Ich brauche jetzt etwas Süßes, sofort!“, begann ich mich mit den Auswirkungen von raffiniertem Zucker auf unseren Stoffwechsel zu befassen. Denn, um mich für das richtige Süßungsmittel entscheiden zu können, wollte ich verstehen, was reiner Zucker in unserem Körper auslöst und welche Spuren er hinterlässt.

Grundsätzlich brauchen wir bestimmte Zuckerformen für unseren Stoffwechsel. Zum Beispiel benötigt das Gehirn 20% unserer Energie und zieht diese aus Glukose. Glukose stellt der Körper über die Leber aus Kohlehydraten wie Äpfeln, Getreide und Grünem selbst her. Diese kann dann von dem Körper zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Mit Hilfe des Hormons Insulin, wird die Glukose über das Blut in die Zellen zur Produktion von Energie (Adenosintriphosphat = ATP) eingeschleust.

Gebunden an Ballaststoffe geht die Glukose langsamer ins Blut und somit in den Stoffwechsel über. Die Insulinproduktion fällt bei naturbelassenen Lebensmitteln geringer aus als bei raffinierten Zuckerarten (Abb. 1, grüne Linie). Die Sättigung setzt hier ebenfalls früher ein. Wir können einen oder 2 Äpfel essen und sind dann erst einmal gesättigt.

Trinken wir jedoch eine Limonade mit viel Zuckergehalt (wie Brauner Zucker, Rohrohrzucker, reine Fruktose etc.), können wir davon mehr trinken als für uns gut ist. Das Signal unseres Körpers, dass nun genug Energie zur Verfügung steht, setzt viel später ein. Bei der Zuführung von raffinierten, isolierten Zuckern steigt der Insulinspiegel im Vergleich in kürzerer Zeit schneller und stärker an. Parallel dazu wird über einen längeren Zeitraum ein höheres Maß an Insulin ausgeschüttet als es bei natürlich gebundenem Zucker der Fall ist. Der Körper befindet sich hier in einer Ausnahmesituation und der Heißhunger auf mehr Süßes entsteht, Fetteinlagerungen werden begünstigt (Abb. 1, rote Linie).

Raffinierter Zucker spricht genau den Bereich im Hirn an, der für Süchte verantwortlich ist. So greift er neben dem Zahnschmelz auch unser inneres Gleichgewicht an. Alle konzentrierten, denaturierten Süßstoffe bedeuten einen Ausnahmezustand für unseren Stoffwechsel. Denn diese Formen des Zuckers kommen in der Natur nicht vor. Sie übersäuern den Körper, fördern Entzündungsprozesse. Die aus der Balance geratenen PH-Werte müssen zusätzlich durch Mineralien korrigiert werden. Einige Zuckerarten verhindern sogar das Sättigungsgefühl. Pilze, Bakterien und Krebszellen lieben den raffinierten Zucker.

Bei der Wahl des geeigneten Süßungsmittels lässt sich sagen: Die ganze Frucht ist am besten. Ein reifer Pfirsich, aromatische Erdbeeren oder der knackige Apfel.

Apfelstücke zum Süßen in den Kaffee? Wohl kaum. Bessere Zuckeralternativen können zum Beispiel sein:

  1. Yaconsirup oder Yaconzucker. Wird aus der peruanischen Yaconwurzel gewonnen. Hat so gut wie keine Auswirkung auf den Blutzuckerspiegel und einen Glykämischen Index (GI) von 1. Birnenartiger Karamell Geschmack. Liefert Mineralien wie Eisen, Kalium, Kalzium und Antioxidantien.

  2. Kokosblütenzucker oder –sirup. Der Kokosblütennektar wird durch Einkochen eingedickt und eventuell getrocknet um anschließend zu Pulver gemahlen zu werden. Der GI liegt bei 35. Kokosblütenzucker schmeckt leicht nach Karamell. Er enthält Mineralien wie Kalium, Eisen und Magnesium.

  3. Dattelsirup. Datteln werden in Wasser eingeweicht und anschließend durch kochen eingedickt. Hat einen hohen GI, enthält jedoch viele Mineralien wie Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium. Stellt man Dattelsirup aus ganzen Datteln, ohne Kochen, selbst her (getrocknete Datteln + Wasser), sind auch noch die guten Ballaststoffe enthalten.

 

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist daher der Genuss von gesundem Zucker zu empfehlen.

® Copyright 2016 Eat like Eve

2

Blutzuckerspiegel Glukose Anteile im Blut

Jedoch auch beim Verwenden dieser Süßungsmittel sollten wir uns immer bewusst sein, und darum geht es bei dem Thema Zucker, dass es ein Genußmittel ist und sparsam verwendet werden sollte. Die Menge entscheidet über Schaden oder Nutzen. So habe ich bei meinem Sohn Schadensbegrenzung mit einem Teller frisch aufgeschnittenem Apfel begangen. Nach kurzer Zeit war er wieder ruhiger und ausgeglichener. Schön, dass es diese natürlich köstlichen Lebensmittel gibt und wir mit diesen einfachen Dingen Kinder und Erwachsene glücklich und zufrieden machen können.

Weitere Tipps und Links
Film: „Voll verzuckert“, von Damon Gemeau

Artikel: Warum Agavensirup nicht die gesündere Alternative ist. (Link auf Eat like Eve http://www.eat-like- eve.de/ist-agavensirup-gesuender.html)